Die fiktive Geschichte

eines Moleküls


 

Hallo Leute, mein Name ist DUMO und ich bin ein Duftmolekül.

 

Geboren wurde ich gestern morgen, kurz nachdem mein Produzent ausgiebig gefrühstückt, anschließend geduscht, sich danach die Zähne putzte, mit etlichen Wässerchen bestäubt und endlich das Haar frisierte.

 

Ich fand mich also kurz nach meiner Welterblickung mit anderen Kumpels in einer ganz normalen Haarbürste wieder.

 

Es war lustig und wir hatten uns viel zu erzählen.

Obwohl ich meinen Erzeuger nur kurz gesehen hatte, waren die Geschichten der anderen so spannend, dass ich mich schon auf abends freute, wieder viele neue Moleküle zu treffen.

 

Nun wurde es Abend und unser Schöpfer kam nicht. Es wurde Morgen und er kam immer noch nicht.

 

Viele ältere von uns wurden des Wartens müde und machten ein Nickerchen.

Plötzlich standen Leute vor uns - aber nicht unser Bürsteninhaber.

 

Es wurde über frischen Duft gesprochen und darüber, welche persönlichen Dinge unser Duftfanatiker denn als letztes benutzt haben könnte.

Man müsste schließlich gute Duftstoffe haben, um den Vermissten suchen zu gehen.

DUFTSTOFFE? VERMISST? SUCHEN GEHEN?

 

Ich witterte ein spannendes Abenteuer, drängelte mich in die erste Reihe, wo meine anderen Kumpels natürlich auch schon warteten und schaffte es tatsächlich, in dem ich mich ganz doll an ein Haar klammerte, in eine Plastiktüte gestopft und mitgenommen zu werden.

 

Die Haare, meine Kumpels und natürlich ich wurden in der Tüte durch die Gegend getragen, gefahren und an einer Stelle, den sie Arbeitsplatz des Vermissten nannten, wieder aus den Tiefen einer Tasche gegraben.

 

Am Eingang dann sahen wir, dass es außer uns noch weitere Kumpels in anderen Tüten, noch mehr fremde Leute und gaaanz komische, auf vier Beinen sich bewegende, bellende, aufgeregte Dinger gab, die sie Hunde nannten.

 

Ich hab dann ganz doll die Ohren gespitzt und mitbekommen, dass diese Hunde mit unserer Hilfe den Vermissten versuchen würden zu finden.

 

Ich wurde immer aufgeregter und wollte da unbedingt helfen, wenn ich auch noch nicht wusste, wie.

 

Dann wurden die Hunde "fertig" gemacht; sie bekamen ein "Geschirr" und eine "Leine" an, die Tüte in der wir uns befanden wurde geöffnet und was dann kam, war der absolute Wahnsinn!

 

Es ging alles rasend schnell - dieser Hund steckte seine Nase in unsere Tüte und schon fühlte ich mich wie in der Achterbahn. Wir wurden quasi eingesogen und verschwanden im Null Komma Nix in den Tiefen dieser Nase. Es wurde dunkel und feucht und wir wurden regelrecht abgescannt. Wohl um zu sehen, welche Informationen wir denn enthielten.

 

Und dann ging das Gewackel wieder los. Der Hund zog seine Leine stramm und seinen Halter hinterher.

Es ging aus dem Gebäude auf die Straße in ein anderes Gebäude, ein so- genanntes Parkhaus. Auf der anderen Seite des Gebäudes wieder hinaus in eine "Fußgängerzone"!

Mann, ab da war richtig was los!

Nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Nase! Es wurde ganz schön eng, immer wieder kamen neue Moleküle an uns vorbei, wurden abgecheckt und wieder raus gelassen. Aus jedem Nasenloch kamen unterschiedliche Düfte an uns vorbei und wir mussten aufpassen, im Strom nicht mit fortgerissen zu werden.

Zwischendurch wurden auch wir immer mal wieder gecheckt und langsam wanderten wir in eine Art Hirnduftspeicher, aus dem wir nicht mehr verloren gehen konnten.

Die eingehenden Düfte wurden mit uns verglichen und je mehr davon uns ähnlich waren, in diese Richtung lief der Hund. Toll so ein Navi!

 

Dann ging es aus der Stadt raus und die Düfte wurden ganz anders. Aus Teer-, Beton-, vielen Menschen-, Blech-, Essen- etc. Gerüchen wurden blumige Düfte wie von Wiese, Wald und Feld.

Und immer wieder war dazwischen der Duft unseres Vermissten.

Bis schließlich so viele frische Moleküle unserer Person an uns vorbeizogen, dass wir dagegen richtig alt erschienen.

 

Und dann ging es nicht mehr weiter. Ein großer Zaun mit einem Tor versperrte uns den Weg. Aber der Duft nach unserem Erzeuger war so stark, dass die Hunde dort unbedingt rein wollten.

 

Die Hunde hatten kurz Pause, in der sie etwas trinken konnten, was auch uns sehr zugute kam. Wir wurden angefeuchtet und konnten so wieder besser helfen, den zu findenden Duft zu orten.

 

Es wurde geredet und diskutiert und endlich konnten wir in diese sogenannte "Kleingartenanlage" hinein.

 

Wir liefen ein paar Wege entlang und die frischen Duftmoleküle unserer vermissten Person wurden so stark, dass die Hunde ein kleines Häuschen umkreisten und dort nicht mehr wegwollten.

 

Für uns war klar, da drin sind unsere anderen Kumpels, denn es kamen fast nur noch frische Duftkumpels in die Nase der Hunde.

 

Die Tür der Hütte wurde geöffnet und da lag friedlich schlummernd unser Erzeuger.

Er hatte sich am Vortag mittags frei genommen, was aber niemand wusste und hatte sich einen schönen sonnigen Nachmittag in seiner Laube gemacht und ist eingeschlafen.

 

So kann es manchmal gehen, aber Dank unserer Hilfe und natürlich auch klein wenig der der Hunde, konnten man herausfinden, dass zum Glück nichts geschehen war.

 

Wir wurden aus unserem Hirnduftspeicher entlassen und hatten noch lange Spaß daran, uns gegenseitig unser Abenteuer zu erzählen!

 

Bis dahin mit vielen duftenden Grüßen

euer DUMO